Fußball ist ein wahnsinnig kompliziertes Spiel, das nicht jeder auf Anpfiff versteht. Das muss anders werden. Damit die Wissensneandertaler beim Public Viewing und vor den heimischen Empfangsgeräten nicht ständig dumme Fragen stellen und dadurch den Beobachtungsfluss unnötig stören, mache ich hier mal kurz den Erklärbär – von A wie Abseits bis Z wie Zidane.
A wie Abseits
Abseits ist, wenn der Assi an der Seitenlinie wild mit seinem Fähnchen wedelt und der Schiedsrichter darauf reinfällt. Alle anderen Definitionen – insbesondere die in Regel 11 des offiziellen FIFA-Gesetzbuchs – dienen nur der Irreführung des versierten Fachpublikums.
B wie Ball
Spielgerät, das bei jeder Weltmeisterschaft einen anderen lustigen Namen trägt. Frühere WM-Kugeln hießen unter anderem T-Model (Uruguay 1930), Zig Zag (Italien 1934), Duplo (Brasilien 1950), Mr. Crack (Chile 1962) und Teamgeist (Deutschland 2010). Die brasilianische Variante wurde basisdemokratisch auf den Namen Brazuca getauft. Bei der einem bekannten Kaugummi nachempfundenen Namensgebung wurde keineswegs zufällig berücksichtigt, dass nicht jeder Spielteilnehmer über die erforderlichen technischen Fähigkeiten verfügt, um das runde Leder aus Kunststoff unfallfrei an einer der unteren Extremitäten zu führen. Deshalb ist die Außenhaut des Brazucas vorsorglich mit einer dünnen Haftschicht aus handelsüblichem Sekundenkleber überzogen, was ungeachtet möglicher Nebenwirkungen selbst überzeugte Rumpelfüßler zu begnadeten Ballartisten mutieren lässt.
C wie Cordoba
Stadt in Argentinien, in der die deutsche Elf 1978 gegen Österreich während des letzten Zwischenrundenspiels plötzlich von einer rätselhaften Kranklheit befallen wurde. Da weit und breit keine Rettungskräfte verfügbar waren, schied Deutschland aus dem Turnier dahin.
D wie Doping
Gibt es im Fußball nicht. Basta. Wer etwas anderes behauptet, fliegt raus.
E wie Elfmeterschießen
Von Uwe Seeler wegen des Wembley-Nichttors über Englands Nationalmannschaft verhängter Fluch, der seit 1966 zuverlässig wirkt und bei Bedarf dafür sorgt, dass die Kicker von der Insel regelmäßig vorzeitig auf ihr drolliges Eiland heimkehren müssen. Bei der WM 2010 in Südafrika kam es in diesem Zusammenhang zu einer längst fälligen Retourkutsche für den dreisten Titelklau von 1966 – wobei der von Frank Lampard geschossene Ball die Torlinie nachweislich nicht überschritten hatte.
F wie Foul
Rechtswidriger tätlicher Angriff auf den Körper des Gegners, der mit Frei- oder Strafstoß geahndet wird. In besonders schweren Fällen können auch befristete Berufsverbote ausgesprochen werden, deren Vollzug beim Vorliegen strafmildernder Umstände aber zu Bewährung auszusetzen ist.
G wie GoalControl
In Deutschland entwickelte elektronische Sehhilfe für Schieds- und Linienrichter mit zeitweilig ausgeschaltetem Augenlicht, die einen regulären Treffer ohne technische Unterstützung selbst dann nicht erkennen könnten, wenn man sie direkt an der Querlatte festschnallen würde.
H wie Hand Gottes
Für Normalsterbliche unsichtbares zusätzliches Körperteil, das der Allmächtige dem strenggläubigen argentinischen Nationalheiligen Diego Maradona 1986 im WM-Viertelfinale gegen England zum Zwecke des Torerfolgs spontan wachsen ließ.
I wie Innenverteidigung
Problemzone in der deutschen Mannschaft, weil Mats Hummels trotz zahlreicher Klöpse in der Vergangenheit immer noch Anhänger jener abenteuerlichen Spielphilosophie ist, die es Abwehrspielern selbst in akutester Gegentorgefahr strikt verbietet, den Ball einfach mal per Befreiungsschlag aus dem Krisengebiet zu befördern.
J wie Joker
Euphemistische Bezeichnung für den konditionsschwächsten Ersatzspieler, der bei Rückständen in der Regel erst dann eingewechselt wird, wenn alle Versuche, mittels dubioser okkulter Verzweiflungsrituale (Schlangen beschwören, Spiegel zertrümmern, Porzellan zerschlagen, Rent-A-Schornsteinfeger) einen negativen Spielverlauf zu drehen, wirkungslos verpufft sind.
K wie Kabinenpredigt
In der Halbzeit von einem geistlich gewandeten Trainer durchzuführende Erziehungsmaßnahme für schwer erziehbare Kicker, die sich vorsätzlich oder grob fahrlässig den verbindlichen Anweisungen des Coachs widersetzen. Als besonders wirksam haben sich im Laufe der Zeit Kabinenpredigten erwiesen, deren Laustärke in etwa der eines startenden Düsenflugzeugs entspricht. Auch die in besonders schweren Fällen der Gehorsamsverweigerung angezeigte geschickte Verbindung der Kabinenpredigt mit körperlichen Zwangsmitteln sowie das glaubwürdige Androhen eines mehrwöchigen Smartphone-/Tablet-/Playstation-Entzugs haben sich schon oft bewährt.
L wie Linienrichter
Assistenten des Schiedsrichters, deren Hauptaufgabe darin besteht, pedantisch darauf zu achten, dass die Spielfeldbegrenzungen schnurgerade und rechtwinklig auf die Spielfläche geklöppelt werden. Ist das der Fall, signalisieren sie dem Schiedsrichter die einwandfreie Akkuratheit der in weiß gehaltenen Linien während des Spiels durch wiederholtes, auf Außenstehende häufig unmotiviert wirkendes Winken mit der Benachrichtigungsfahne. Der Schiedsrichter bestätigt den ordnungsgemäßen Empfang der Mitteilungen durch ein- oder mehrmaliges Benutzen der Quittungspfeife.
M wie Mittelstürmer
Wichtige Spielposition, deren Existenz und Berechtigung von Joachim Löw vehement bestritten wird. Stattdessen bevorzugt der Bundestrainer den sogenannten falschen Neuner (nicht zu verwechseln mit dem echten Zwanziger oder dem falschen Fuffziger). Dabei schenkt Löw normalerweise dem überaus robusten Dortmunder 1,76-Meter-Hünen Mario Götze sein Vertrauen, der von seinen Mannschaftskameraden konsequenterweise auch möglichst hoch angespielt wird. Der Erfolg dieser ungewöhnlich taktischen Maßnahme ist bisher zwar ausgeblieben, aber wenn der Jogi das so haben möchte, dann wird er sich schon etwas dabei denken. Bestimmt.
N wie Notbremse
Unter Notbremse versteht man im modernen Fußball die gewaltsame Trennung eines gegnerischen Spielers vom Ball durch den letzten abwehrbereiten Spieler unmittelbar vor einem wahrscheinlichen Treffer des Angreifers, die mit einem sofort auszusprechenden Feldverweis ohne Bewährung und wegen der besonderen Schwere der Schuld mit anschließender zeitlich befristeter Sicherheitsverwahrung des Täters geahndet.
O wie Offene Sohle
Relativ neue Behandlungsmethode für Spieler, deren überlegene Spielweise nur durch aggressiv angewandte Akupunktur unterbunden werden kann. Dabei richtet der Attackierende einen oder beide Füße soweit auf, dass das Opfer sein bevorstehendes Unglück im günstigsten Fall auf sich zukommen sieht. Neben der vorrangig erwünschten physischen Wirkung hat diese Art der Therapie auch eine nicht zu unterschätzende psychologische Komponente, die selbst völlig Unbeteiligte nachhaltig beeindrucken kann. Das führt nicht selten zu unerlaubter Rudelbildung und im weiteren Matchverlauf zu Notwehr-Vergeltungsmaßnahmen, unter denen das verdeckte Revanchefoul besondere Beliebtheit genießt.
P wie Pfosten
Vertikale Seitenbegrenzung des Tores, das mit der horizontalen Lattenquerverbindung einen rechteckigen Kasten bildet, der aus Gründen des Zuschauerschutzes und zur Entlastung der unentgeltlich arbeitenden Ballkinder nach hinten mit einem Netz gesichert wird. Muss ein Torhüter den Ball aus eigenem Verschulden aus seinem Kasten holen, wird dieser manchmal zum Vollpfosten erklärt, mit der Bedeutung des Grundbegriffs steht das jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang.
Q wie Querpass
Sichtbarer Ausfluss völliger Ideenabstinenz innerhalb einer Mannschaft, deren destruktiver Charakter nur noch durch den feigen Rückpass zum eigenen Torwart übertroffen wird.
R wie Reklamieren
Obwohl auch auf dem Rasen grundsätzlich Meinungs- und Redefreiheit herrscht, ist vor allem die wild gestikulierend vorgetragene Beschwerde über eine tatsächliche oder vermeintliche Fehlentscheidung des Unparteiischen illegal. Kommt es deshalb zu einer unerlaubten Zusammenrottung auf dem Spielfeld, spricht der erfahrene Fußballtherapeut von rudelbildendem Protestverhalten, das seine traumabedingte Hauptursache in frühkindlich erlebtem Wegnehmen der Lieblingsrassel im vergitterten Laufstall hat.
S wie Schwalbe
Massiv antiornithologisch motivierte Diskrimierung einer auch in unseren Breiten vorkommenden Vogelgattung, die wahrheitswidrig suggerieren soll, dass sich Schwalben ohne jeden Grund im Sturzflug aus freien Stücken in den Boden rammen und dafür auch noch belohnt werden wollen. Um ein Zeichen gegen die zunehmende Verächtlichmachung der Schwalben im Fußball und in anderen Bereichen des täglichen Lebens zu setzen (siehe zum Beispiel hier), verbringen manche Schwalbenarten einen Teil des Jahres im afrikanischen Exil.
T wie Torwart
Auch Torwächter, Torhüter, Schlussmann, Keeper, Fliegenfänger, Blindfuchs oder Depp genannt. Soll einer alten Fußballweisheit zufolge neben dem Linksaußen einziger Spieler seiner Mannschaft sein, der gewaltig einen an der Klatsche hat. Als erster Torwart der Geschichte gilt König David. Allerdings musste der kurzfristig auf seine Mannschaft verzichten, nachdem diese fluchtartig die bis auf den letzten Platz gefüllte Jerusalemer King-Saul-Arena verlassen hatte. So berichtet es sinngemäß auf jeden Fall die Bibel: Da machte sich der König auf und setzte sich ins Tor. Und man sagte es allem Volk: Siehe, der König sitzt im Tor. Da kam alles Volk vor den König. Aber Israel war geflohen, ein jeglicher in seine Hütte.
U wie Uli Hoeneß
Mittlerweile inhaftierter Nationalspieler, Wurstfabrikant, Ex-Bayern-Präsident und äußerst zurückhaltend geständiger Steuerhinterzieher, der eigentlich schon nach seinem spielentscheidend verschossenen Elfmeter im EM-Endspiel 1976 gegen die Tschechoslowakei weggesperrt gehört hätte.
V wie Viererkette
Wertvolles Defensivschmuckstück einer Mannschaft, in dem sich das gegnerische Team nach Möglichkeit offensiv autostrangulieren soll. Viererketten können auch aus drei Gliedern bestehen, dann nennt man sie aber Dreierkette.
W wie Waldi
Populärer Hunde- und zweifelhafter Spitzname des ARD-Sportreporters Waldemar Hartmann, der sich bei Rudi Völler im September 2003 darüber beschwerte, dass auf Island kein Weizenbier ausgeschenkt wird – was beim ehemaligen Bundestrainer infolge ungesund erhöhter Adrenalinausschüttung zu erkennbaren Irritationen führte.
XY wie XY
Idealtypische Anordnung des Chromosomensatzes im Erbgut des Menschen, um vernünftig Fußball spielen zu können. Während die Frau zwei X-Chromosomen besitzt, bevorzugt der Mann ein X- und ein Y-Chromosom. Ich kann nichts dafür, die Natur will es so. Ehrlisch. Isch schwör.
Z wie Zidane
Ehemaliger französischer Nationalspieler, der seinen Gegenspieler Marco Materazzi im Finale der WM 2006 in Deutschland überraschend zu einem traditionellen Stierkampf herausforderte, nachdem der Italiener Zidanes Schwester fälschlicherweise im horizontalen Gewerbe vermutet hatte.
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